Über Portland, Pittsburgh & “Proud Boys”

Nach dem größten antisemitischen Anschlag in der Geschichte der USA am 27.10.2018 mit elf Todesopfern wird deutlich, dass der Terrorist Robert Bowers unter anderem auch ein Fan von Gavin McInnes war. Das dies durchaus kohärent ist, lässt sich schnell erahnen. Der Mitbegründer des Vice-Magazins und notorische extrem rechte Maskulinist und Antifeminist, gründete 2016 die „Proud Boys“. Diese faschistiode Schlägertruppe ist seit dem auf allen bedeutenden Veranstaltungen der so bezeichneten Alt-Right Bewegung anzutreffen und stellt ein Sammelbecken für gebildete, vorwiegend weiße Männer der mittleren Oberschicht dar. Die „Proud Boys“ beziehen sich ähnlich der „Identitären Bewegung” in Europa nicht offen positiv auf rassistische Ressentiments und die Bewegung der „White Supremacy“, stattdessen verpacken sie ihre Hetze gerne in Bezügen zu „westlichen Werten“ und dem „Abendländischen Kulturkreis“, sowie einem Einstehen gegen die vermeintlich vorherrschende „political correctness“. Auch die Selbstbezeichnung als „Neue Rechte“ haben sie mit ihrem europäischen Vorbild gemeinsam.
Sie pflegen jedoch, auch befördert durch ihren Gründer McInnes, ein konsequent gewaltverherrlichendes politisches Programm in Wort und Tat. So ruft McInnes immer wieder ganz offen zu mehr, auch tödlicher, Gewalt gegen Andersdenkende und Linke und als generelles Mittel der politischen Auseinandersetzung auf (Siehe Video unten). Die offen zur Schau getragene Lust der „Proud Boys“ und ihres Führers an brutaler Gewalt und der offen kommunizierte Plan, politische Auseinandersetzungen vor allem im gewaltsamen Straßenkampf und mittels Vergeltungsschlägen und auch Morden zu führen, die Dehumanisierung der klar identifizierten Feindbilder und ihre ultranationalistische Grundhaltung sowie ihr ausgeprägter Antifeminismus und Hass auf Frauen und LGBTQ, sind klare Indizien dafür, dass es sich bei ihnen um eine weitere im Kern faschistische Gruppierung handelt. Konsequenterweise führt das Southern Poverty Law Center sie als „Hategroup“.
Dass sie dabei in ihrem Selbstverständnis eine relative Minderheit der urbanen,“erfolgreichen“, jungen und hippen Männer anzieht, welche sich vom „linken Mainstream“ bedroht sehen und ihre Anhängerschaft vor allem in urbanen Zentren rekrutiert, ist so gesehen ein Novum und unterscheidet sie in vielerlei Hinsicht von Trumps Kernwählerschaft.
Gerade hier scheint es jedoch beachtliche Potenziale zu geben, wie sich letzte Woche bei einem Auftritt McInnes in Manhattan (wo er an einem Reenactetment eines politischen Mordes von einem japanischen Nationalisten an einem sozialistischen Politiker in den Räumen der Republikanischen Partei beteilligte) zeigte. Nach dem Ende der Veranstaltung schlugen etwa 20 „Proud Boys“ drei Antifaschisten brutal zusammen und traten teils in Anwesenheit der Polizei minutenlang auf die am Boden Liegenden ein. Dabei hatten sich den „Proud Boys“ auch bekannte neonazistische Skinheads angeschlossen. Auch in Portland kam es zu Jagdszenen bei denen die Gruppe mit Waffen gegen ihre Gegner vorging.
Dass es von Aufrufen zu Mord und Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung und der vermehrten hemmungslosen Gewalt gegen vermeintliche Feinde auf der Straße in der faschistischen Ideologie nicht mehr weit zu gezielten politischen Morden ist, wissen wir nicht erst seit McInnes und seinen stolzen Jungs. Es gilt um so mehr, den rechten Umtrieben auch vor der eigenen Haustür entschlossen entgegen zu treten und ihnen jeden Raum streitig zu machen.

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