DEMONSTRATION NACH RASSISTISCHEM MORDVERSUCH IN WÄCHTERSBACH AM 27. JULI 2019 – 14 UHR WÄCHTERSBACH BHF

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm 22. Juli 2019 wurde gegen 13 Uhr in der Industriestraße ein 26-Jähriger Eritreer mit 3 Schüssen aus einem Auto heraus am Bauch angeschossen. Der Familienvater überlebte nur dank einer Not-Operation schwer verletzt. Der 55-Jähirge Roland K. prahlte einige Stunden zuvor in seiner Stammkneipe „Zum Martinseck“ in Biebergemünd-Kassel noch damit, „dass er nun einen Flüchtling abknalle“. Nach dem rassistischen Mordversuch kehrte Roland K. wieder in der Kneipe ein und brüstete sich dort mit seiner Tat. Einige Zeit später verließ er die Kneipe, wählte den Notruf und drohte mit weiteren Taten. Daraufhin erschoss er sich in seinem Auto selbst. Die Ermittler fanden bei ihm zu Hause 1000 Schuss Munition und 5 weitere Waffen. Zudem stießen sie auf NS-Devotionalien. Auch der Wirt der Kneipe, Dirk Ruthofer, ist schon mehrfach mit rassistischen und Reichsbürger-nahen Posts auf Facebook aufgefallen.

Wir sagen: es reicht! Schluss mit Naziterror! Seit Jahren radikalisieren sich Nazis und fühlen sich durch das gesellschaftliche Klima in ihrer Ideologie und ihren Taten bestärkt. Deswegen möchten wir am Samstag den 27. Juli um 14 Uhr laut und entschlossen auf die Straße gehen. In Deutschland hat rechter Terror nach 1945 Kontinuität – nicht erst seit dem NSU bewaffnen sich Nazis und ziehen mordend durchs Land. Auch das Datum überrascht nicht: Am 22. Juli 2011 ermordete der norwegische Rechtsterrorist Anders Breivik 77 Menschen, am 22. Juli 2016 erschoss Ali David Sonboly in München aus rassistischen Motiven 9 Menschen. Deswegen fordern wir: Rechten Terror benennen und bekämpfen! Nazis konsequent entwaffnen und rechte Terrorzellen aufheben!

Kommt am Samstag zahlreich mit uns auf die Straße, um ein Zeichen zu setzen. In Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt und ihrer Angehörigen! Kein Schlussstrich!

DEMONSTRATION NACH RASSISTISCHEM MORDVERSUCH IN WÄCHTERSBACH

AM 27. JULI 2019 – 14 UHR WÄCHTERSBACH BAHNHOF

ZUGTREFFPUNKT FRANKFURT: HAUPTBAHNHOF (FFM) 12.00 GLEIS 6

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Was geht in Wächtersbach? Extrem rechte Strukturen im Main-Kinzig-Kreis

161.jpgWächtersbach ist eine Kleinstadt mit 12.000 Einwohner*innen. Am Montag versuchte der 55-Jährige Metzger Roland K. einen 26-Jährigen Eritreer auf offener Straße niederzuschießen. Laut seinem Abschiedsbrief sei die Tat geplant gewesen, sein Opfer wählte er am Montagmittag zufällig aus, sein einziges Kriterium war die schwarze Hautfarbe. Dieser rassistische Mordanschlag veranlasste uns, die Region um Wächtersbach und den Main-Kinzig-Kreis etwas genauer zu durchleuchten und die Ergebnisse hier kurz aufzuführen.
Während einer bundesweiten Razzia gegen „Combat 18“ (zu deutsch „Kampftruppe Adolf Hitler“) wurde 2006 bei 7 Personen aus Hessen das Haus durchsucht, auch das Haus einer Person aus dem Main-Kinzig-Kreis. Den Beschuldigten wurde damals vorgeworfen, Propagandamittel mit strafrechtlich relevantem Inhalt verbreitet und eine eigene Sektion der Vereinigung Combat 18 in Hessen aufgebaut zu haben.
Im November 2012 gründete sich ein Landesverband der Partei „die Rechte“, welche sich laut dem Antifaschistischen Infobüro Rhein-Main als ein „Auffangbecken für Neonazis entpuppt, in der sich vor allem wiederfindet, was verboten, parteilos oder unzufrieden mit der NPD ist“. Der hessische Landesverband von „die Rechte“ strukturierte sich nach einem Jahr laut eigenen Angaben um. Dies
kam einer Auflösung gleich. Der extrem rechte Zusammenhang propagierte seine
menschenverachtenden Einstellungen zeitweise unter dem Namen „Freier Widerstand Main-Kinzig“oder auch „Nationale Sozialisten Main-Kinzig“.
Bei der Europawahl im Mai 2019 erreichte die AfD in Wächtersbach 14,1 Prozent der Stimmen und war damit viertstärkste Partei in der Stadt. Bei der Landtagswahl im Oktober 2018 erreichte der damalige Direktkandidat der AfD, Edwin Michel, 18,34 Prozent. Schaut man sich die Wahlergebnisse des Main-Kinzig-Kreises von 2019 im Gesamten an, kommt man auf 20.730 Stimmen für die AfD, 462 für die NPD, 38 für den III. Weg und 101 für die Rechte. Bei der
Kommunalwahl 2016 erhielt die NPD einen Sitz für Frank Ullmann (aus Gelnhausen) im Kreistag des Main-Kinzig-Kreises. Ebenfalls aus Gelnhausen stammt die von der AfD zur
Bundestagsvizepräsidentin vorgeschlagene Mariana Harder-Kühnel, die bei der Bundestagswahl 2017 auf Platz 1 der hessischen Landesliste für die AfD antrat und seit 2017 für die AfD im Bundestag sitzt. Ihr werden enge Verbindungen zum extrem rechten, völkischen Flügel um Björn Höcke hat.
Nach dem Mord am Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019 wurde die
Gefährdungslage von Ex-Landrat Erich Pipa erneut geprüft. Pipa, der bekannt wegen seines Einsatzes für Geflüchtete ist, erhält seit 2015 Drohbriefe, welche mit „Initiative Heimatschutz Kinzigtal“ unterschrieben sind. Die Androhungen reichen von Beschimpfungen bis zu Morddrohungen. Bis heute erhielt er 14 solcher Drohschreiben.
Dass die Polizei in einem Artikel zu dem aktuellen Mordversuch in Wächtersbach behauptet, dass eine offene neonazistische Szene nicht bekannt sei, ist perfide. Im Februar dieses Jahres wurden Carsten Müller und Martina Heinze von den sogenannten „Aryans“ wegen eines Angriffs auf Gegendemonstrant*innen und Passant*innen am 1. Mai 2017 in Halle verurteilt. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen die Neonazi-Gruppe ebenfalls wegen des Verdachts der Gründung einer terroristischen Vereinigung.
Diese exemplarischen Fälle aus den letzten Jahren stellen nur die buchstäbliche Spitze von rechten beziehungsweise neonazistischen Umtrieben im Main-Kinzig-Kreis dar. Es ist davon auszugehen, dass es auch ein großes Dunkelfeld an Vorfällen gibt, welche bisher nicht öffentlich wurden. In derAufzählung fehlten außerdem rassistische Schmierereien und tätliche Angriffe gegen Personen,
welche nicht in das neonazistische Weltbild von Nazis aus dem MKK passen. Diese Aufzählung zeigt, dass niemand behaupten kann, er oder sie „hätte von nichts“ gewusst. Es gibt seit Jahrzehnten Kontinuitäten rechter Gewalt und rechten Terrors.
Dieser Text ist eine ausführlichere Ausarbeitung eines Threads auf Twitter des freien Journalisten Sebastian Hell. Wir möchten dazu anhalten, antifaschistische Recherchen ernst zu nehmen und Prognosen und Vorausagungen solcher Strukturen Gehör zu schenken. Im Kampf gegen Nazis kann man sich nicht auf den Staat verlassen, vielmehr ist er Teil des Problems: Er vertuscht Beweise, deckt Täter*innen und wirkt über exekutive Organe gezielt mit. Dies zeigte das Hannibal-Netzwerk,
der NSU oder der „NSU 2.0“, ein rechtes Netzwerk innerhalb der hessischen Polizei, in den letzten Monaten zu genüge.

 

Deswegen fordern wir: Organisiert den antifaschistischen Selbstschutz! Bekämpft Rechte Strukturen. Antifa in die Offensive! Lest und verfolgt antifaschistische Recherchen. Abonniert die entsprechenden
Magazine. Nehmt die Betroffenen rechter Gewalt ernst und schützt sie!
Quellen:
http://de.indymedia.org/2006/03/140801.shtml (C18 Durchsuchungen 2006)
https://www.infobuero.org/2014/04/die-rechte-in-hessen-gescheitert/
https://www.fr.de/rhein-main/main-kinzig-kreis/ex-landrat-weiterhin-gefaehrdet-zr-12830291.html
https://www.hessenschau.de/panorama/neonazis-nach-pruegelattacken-verurteilt,urteil-aryans-
halle-100.html
https://twitter.com/sebastain_hell/status/1153579921257705472
Bildquelle: https://genaehtesholz.wordpress.com/tag/fuck-nazis/

Linke Ohnmacht – diskus Nr. 118 “Trotzdem”

Die Krisenjahre 2008 ff. sorgten neben weiteren Entwicklungen für das abermalige Anwachsen eines latenten Ohnmachtsgefühls des bürgerlichen Subjekts im Kapitalismus – die Verhältnisse erscheinen immer übermächtiger. Dieses Ohnmachtsgefühl, dessen verschiedenartige Erscheinungsformen wir sowohl im Subjekt selbst, als auch im kollektiven Akteur des bürgerlichen Staates sehen, wird jedoch nicht in seiner Tiefe anerkannt, um schließlich seine Ursachen ergründen zu können, sondern mit Hilfe vermeintlicher Krisenlösungsstrategien rationalisiert.
Einerseits lässt sich in diesem Kontext eine Zuwendung des Subjekts zu reaktionären Weltanschauungen ausmachen, worunter wir zuvorderst extrem rechte Ideologien und religiös-fundamentalistische Denkstrukturen subsumieren. Erstere werden in Deutschland heute mehrheitlichunter dem unscharfen Sammelbegriff „Neue Rechte“ zusammengefasst; letztere äußern ihre radikalste Konsequenz zumeist in islamistischem Terrorismus. Andererseits können zunehmend autoritäreAntworten des Staates in Zusammenhang mit den Krisen des Kapitalismus festgestellt werden, worin eine Form der falschen Handhabung auf kollektiver Ebene erkennbar ist. Fundamentale gesellschaftliche Veränderungen vollziehen sich, wenn nicht versucht wird am Status quo festzuhalten, somit überwiegend reaktionär, was das latente Gefühl der Ohnmacht – in weiten Teilen der Allgemeinheit – verschärft. Hier sollte jedoch weder von apokalyptischer Repression, noch von unentwegter Neoliberalisierung gesprochen werden. Vielmehr muss eine Analyse der beständigen Transformationen des Kapitalismus mit einem sich ebenso in Veränderung begriffenen Staat zusammen gedacht werden, was in diesem Rahmen allerdings nur angerissen und in seiner Komplexität deshalb nicht ausgebreitet werden kann. Wir bemerken dabei eine vielerorts stattfindende Neoliberalisierung, die jedoch – entgegen der gängigen Narrativen eines freien Marktes unter liberalen Vorzeichen – mit neuen Polizeikonzepten, Aufrüstung der Exekutive, sowie strengeren Gesetzen und einem dadurch stärker agierenden Staatsapparat einhergeht, weshalb wir hierbei grundsätzliche Unterschiede zur Politik vorhergehender Jahre konstatieren. Eine Deregulierung der Märkte in vielen, sicherlich nicht allen Bereichen, fällt mit staatlicher Intervention und Repression im Rahmen reaktionärer Denkmuster zusammen. Hier bedarf es einer detaillierten Auseinandersetzung, um den Kapitalismus in seiner heutigen Ausprägung und seinen widersprüchlichen Facetten verstehen zu können, ihm seinen übermächtigen Schein zu rauben und dadurch seinen zukünftigen Fortgang bestenfalls antizipieren zu können.
Dies halten wir für zielführender, als scheinaktivistisch einen vermeintlichen Kampf gegen etwas zu führen, was nicht durchschaut und verstanden wird, um über die eigene Ohnmacht hinwegzutäuschen, sich den Verhältnissen resignativ hinzugeben oder schlimmstenfalls die Verwerfungen des kapitalistischen Staates in imaginierte Feindgruppen zu projizieren und selbst Teil der Reaktion zu werden.
Das fortwährend (re-)produzierte Ohnmachtsgefühl birgt demnach Gefahren und Potentiale zugleich: Gefahren, insofern es nicht reflektiert und auf seine Ursachen im Bestehenden zurückgeführt, sondern stattdessen mit Hilfe reaktionärer Ideologien rationalisiert wird; Potentiale dann, wenn es produktiv zur Beschäftigung mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten genutzt wird, um ebendiese grundlegend zu ändern.
Aufgrund eigener reaktionärer Tendenzen und Momente innerhalb der so bezeichneten politischen Linken – dieser Tage dürfte die neue Sammlungsbewegung „Aufstehen“ das treffenste Beispiel für regressiven Antikapitalismus von sich als „links“ verstehenden Akteur*innen sein; doch darauf beschränkt sich eine falsche Analyse des Bestehenden leider nicht – entstehen Hürden, die oben genannten Entwicklungen zu durchblicken und ihnen damit entgegenwirken zu können. Es fehlt insgesamt an Möglichkeiten, die eigene Ohnmacht zunächst anzuerkennen, um anschließend ihre Ursachen zu analysieren und diese produktiv anzugehen. Resignation, Scheinaktivität und im schlimmsten Falle reaktionäre Ideologien im Umgang mit der eigenen Ohnmacht stehen der progressiven Aufhebung grundlegend im Wege. Der alleinige Wille zur Veränderung genügt folglich nicht; ohne entsprechende Analyse kann er sich stattdessen ins Gegenteil verkehren.
Für einen adäquaten und im eigentlichen Sinne „linken“ Umgang mit der eigenen Ohnmacht möchten wir uns abschließend für eine ehrliche und selbstreflexive Diskussion innerhalb des politischen Alltags stark machen. Auf diese Weise kann ihr Potential produktiv genutzt und damit den Gefahren, die sie gleichzeitig birgt, entgegengewirkt werden. Dafür bedarf es zuallererst einer fundierten Ursachenanalyse des Kapitalismus in seiner heutigen Ausprägung, die eine materielle Untersuchung des Staates notwendigerweise mit einschließt. So kann es dem Subjekt gelingen, zu einer fruchtbaren Bewältigung der täglichen Zumutungen zu gelangen, um einerseits eigenen regressiven Tendenzen vorzubeugen und andererseits Ansätze für die progressive Veränderung auszumachen.
Für den Kommunismus!
Antifaschistisches Kollektiv 069
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Rechter Terror in Deutschland – alles, nur (k)ein Einzelfall

keinschlussstrich

Die Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız erhielt seit August 2018 vier anonyme Faxschreiben. Diese enthielten rassistischen Anfeindungen, die Drohung „ihre zweijährige Tochter abzuschlachten“ und sensibele Daten wie ihren Wohnort, den Name der Tochter und sowie weiterer Angehöriger. Bereits nach dem ersten Schreiben gab sie den Hinweis an die Polizei, es könne sich um eine rassistisch motivierte Tat von Nazis handeln. Dies wurde abgewehrt. Spätere Ermittlungen des Landeskriminalamtes führten zur Aufdeckung eines extrem rechten Terror-Netzwerkes innerhalb der hessischen Polizei. Gegen sechs BeamtInnen, unter anderem vom 1. Revier an der Konstablerwache in Frankfurt, laufen deswegen derzeit Verfahren. Mittlerweile gibt es ein Dutzent Verdachtsfälle innerhalb des Polizeiapparats gegen rechte PolizistInnen – im Wochentakt werden neue Vorfälle bekannt. Erneut wurden frühzeitige und korrekte Einschätzungen von Betroffenen rechter Gewalt ignoriert. Der hessische Innenminister Beuth bagatellisierte die Vorfälle innerhalb der Exekutive und bezeichnete sie als Einzefälle. Es kommt zu keinen flächendeckenden Ermittlungen. Das Umfeld der Betroffenen wird unter Verdacht gestellt. Kein neues Phänomen: die Täter-Opfer-Umkehr entpuppt sich als historischer Reflex deutscher Ermittlungsbehörden. Regelmäßig kommt es zu Kriminalisierungen von Betroffenen rechten Terrors.

Beispielhaft hiefür sind auch die Ermittlungen gegen Familien von NSU-Opfern mit dem Vorwurf der organisierten Kriminalität. Vorallem wenn sich Ermittlungen gegen die Polizei richten (sollten), kommt es selten zu Aufklärung oder gar Verurteilungen. Die Polizei umgibt in diesem Land viel zu oft einen Nimbus der Unfehlbarkeit. Wie im Fall des geflüchteten Matiullah J. in Fulda. Der 19-Jährige wurde mit 11 Schüssen durch einen Polizisten umgebracht. Der Beamte und seine Einheit erhielten hierfür jüngst einen Freispruch. Die mediale Berichterstattung ließ mehr als zu wünschen übrig und konzentrierte sich auf den Vorwurf gegen den jungen Mann. Auch hier wird auf die vermeintliche Schuld des Opfers rekurriert. Der Korpsgeist und institutionalisierter Rassismus begünstigten den Freispruch. Mangelnde Ermittlungsverfahren innerhalb der Polizei sind fahrlässig und führen dazu, dass rassistische Gewalttaten nicht nur vertuscht sondern auch tradiert werden.

 

Wirft man einen Blick auf die deutsche Geschichte ist dies nicht verwunderlich. NationalsozialistInnen wurden nach 1945 wichtige Funktionäre im Staatsapparat, ohne je für ihre grauenhaften Machenschaften während der Shoa belangt zu werden. Nazis saßen durchweg in Parlamenten, Justiz, (Polizei-)behörden und Verfassungsschutz. Entgegen der behaupteten Durchführung einer „Entnazifizierung“ wurde nahezu jegliche Aufklärungsarbeit verdeckt. Das Hauptziel war und ist autoritär und antikommunistisch zu arbeiten. Verbindungen zwischen Geheimdiensten und Neonaziorganisationen sind offenkundig.

 

Nicht nur ein Blick ins Geschichtsbuch zeigt, dass Staat und Nazis seit jeher Hand in Hand arbeiten. Auch jegliche NPD-Verbotsversuche scheiterten aufgrund einer von V-Männern durchsetzten und aufgebauten Partei. Versuche, aus den Fehlern der Vergangenheit explizit im Fall NSU zu lernen und den Polizeiapparat strukturell zu verändern, scheiterten. Sie führten ausschließlich zu deutlich mehr Befugnissen für die Polizei und Geheimdienste. Daher fordern wir die Auflösung des Verfassungsschutzes und die konsequente Bekämpfung extrem rechter Terrorzellen!

 

Der Prozess und das Urteil gegen den selbsternannten NSU zeigten auf, dass es keine wahrhaft demokratische Aufklärung und Aufarbeitung rechten Terrors in Deutschland gibt. Beispielhaft hierfür steht das Narrativ der Trio-These. Dieses steht kontrafaktisch zu jeglicher antifaschistischer, journalistischer und wissenschaftlicher Recherche. Hierzu zählt nicht nur die Unfähigkeit rechte Strukturen zu benennen, sondern diese auch zu verharmlosen in dem beispielsweise Frauen ihre Kriminalität und Radikalität wie im Fall Zschäpes abgesprochen wird (Stichwort Nazibraut). Anstatt rechten Terror als aus der Mehrheitsgesellschaft entsprungen zu sehen, wird Faschismus zum sensationellen Einzefall deklariert über den man fasziniert beim Feierabendbier tratschen kann.

 

Nazis waren und sind kein konjunkturelles Problem. #KeinSchlussstrich bedeutet sich stetig mit der (deutschen) Geschichte auseinanderzusetzen. Die antifaschistische Organisierung bleibt unabdingbar. Gerade deswegen ist ein Bewusstwerden über verinnerlichten Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, wovon wir alle nicht frei sind, notwendig. Auch in antifaschistischen Recherchestrukturen zu Zeiten des NSU wurden Fehler gemacht und Rechtsterrorismus nicht als dieser erkannt. Deswegen: seid aufmerksam, greift auf bereits vorhandene Recherchen zurück und betreibt Aufklärung über Nazistrukturen. Rechte Terrorzellen entstehen nicht über Nacht. Es gilt Nazis einzuschüchtern und sie wissen zu lassen, dass sie ihre faschistische Ideologie nicht ungestört ausüben können.

 

Deshalb kommt alle am 23. März mit uns auf die Straße! Solidarität mit den Opfern rechter Gewalt! Kein Schlussstrich!

Wir möchten außerdem auf die Gedenkveranstaltung für den vom NSU ermordeten Halit Yozgat in Kassel am 6. April aufmerksam machen.

//back to the future – Zur Aktualität eines materialistischen Feminismus//

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Ein elementarer Teil der autoritären Revolte, die sich verstärkt in den letzten Jahren bemerkbar macht, steht unserer Auffassung nach in engem Zusammenhang mit einer immensen Krise der hegemonialen Männlichkeit, die sich oft in antifeministischen Ressentiments artikuliert. Die Auswirkungen dieser heraufbeschworenen Krise sind nicht selten tödlich, blickt man beispielsweise auf die entmenschlichende Kriegermännlichkeit der Kämpfer des IS oder auf die wahnhafte Ideologie der frauenhassenden Incels-Bewegung, deren gewaltsamste Äußerungsform die Amokläufe von Elliot Rodger und Scott Paul Beierle darstellten. Beide Beispiele sind jedoch nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs, sie liegen nicht außerhalb des gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisses, sondern finden darin lediglich ihren extremsten Ausdruck. Das Verhältnis der Geschlechter entsteht nicht im luftleeren Raum, es ist vermittelt mit der politischen und ökonomischen Beschaffenheit der Gesellschaft, innerhalb derer es besteht: Etwa die geschlechtsabhängige Zu- und Verteilung von Care-Arbeit, die Zugänglichkeit gesellschaftlicher Räume oder der lange anwährende Kampf um das Recht auf körperliche Selbstbestimmung, wie bei der Debatte um die leidigen Paragraphen 218 und 219.
Gleichzeitig scheint nicht jede politische Position, die vorgibt sich für Frauenrechte einzusetzen, automatisch gleichbedeutend mit emanzipatorischen Absichten zu sein. Besonders deutlich wurde dies bei einigen Organisatorinnen des Women’s March, der sich im Kontext der Wahl Donald Trumps zum US-Präsident zusammenfand, Tamika Mallory und Linda Sarsour. Mallory, die an einer Konferenz teilnahm, auf welcher der glühende Antisemit Louis Farrakhan kundtat, dass die „mächtigen Juden“ seine Feinde seien, verweigerte, auf diesen angesprochen, eine Distanzierung, da sie mit einem breiten politischen Spektrum zusammenarbeiten müsse. Sarsour fiel unter anderem wegen ihrer offenen Parteinahme für die antisemitische BDS-Bewegung negativ auf. Mit diesen Verfehlungen stehen die beiden jedoch nicht alleine, blickt man beispielsweise auf den Ausschluss von drei Teilnehmerinnen des queeren Dyke-March in Chicago, die es gewagt hatten, eine Pride-Flagge mit Davidsstern zur Demonstration zu bringen oder die altbekannten Solidaritätsbekundungen Judith Butlers mit den antisemitischen Terrororganisationen Hisbollah und Hamas. Vorgeblich feministische Kämpfe zeigen in diesen Fällen regressives Potential und antiemanzipatorische Tendenzen. Es kommt zu “merkwürdigen Allianzen” (Stögner).
Doch auch von rechter Seite wird ein vermeintlicher Kampf für Frauenrechte inszeniert. Für die rechten AkteurInnen ist dieser Kampf nur Mittel, nie Zweck. Frauenrechte werden instrumentalisiert, um rassistische Inhalte gesellschaftlich vermittelbarer zu machen. Dies zeigt sich unter anderem in der lächerlichen 120 Dezibel Kampagne der „Identitären Bewegung“ oder dem „Frauenmarsch“ der AfD in Berlin. Ein emanzipatorisches Moment gibt es innerhalb dieser Ideologie nicht, Misogynie und Sexismus treten aus strategischen Gründen für eine kurze Episode in den Hintergrund, um die rassistische und antisemitische Weltsicht ein bisschen argumentierbarer zu machen.
Die Antwort auf das autoritäre Rollback der letzten Jahre kann folglich nur eine feministische sein, die sowohl den kapitalistischen Verwertungszusammenhang als auch das Geschlechterverhältnis in den Blick nimmt. Einen Entwurf einer solchen feministischen Gesellschaftstheorie möchten wir in unserer Veranstaltungsreihe darstellen und einen fragmentarischen Überblick über verschiedene Arbeitsfelder der feministischen Auseinandersetzung bieten.
Die Vortragsreihe ist in Kooperation mit FfeM. entstanden.
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Nächste Termine im Cafee Koz (immer um 18 Uhr)
11.04.2019 Koschka Linkerhand„Die gelebten Realitäten von Frauen und Mädchen“ – Eine materialistische Kritik des Patriarchats
09.05.2019 Betarice MüllerWert-Abjektion. Zur Abwertung von Care-Arbeit im patriarchalen Kapitalismus
24.05.2019 Andrea TrumannVon der Dekonstruktion der Identität hin zu ihrer Verfestigung. Zur Kritik Judith Butlers und ihrer queerfeministischen Adept*innen
06.06.2019 fantifa FrankfurtEmanzipation und Religion – Queerfeminismus und „Islamischer Feminismus“?
12.06.2019 Sebastian Winter Antigenderismus, Antisemitismus und Muslim*innenfeindlichkeit – Sozialpsychologische Überlegungen zum ideologischen Syndrom der extremen Rechten

Über Portland, Pittsburgh & “Proud Boys”

Nach dem größten antisemitischen Anschlag in der Geschichte der USA am 27.10.2018 mit elf Todesopfern wird deutlich, dass der Terrorist Robert Bowers unter anderem auch ein Fan von Gavin McInnes war. Das dies durchaus kohärent ist, lässt sich schnell erahnen. Der Mitbegründer des Vice-Magazins und notorische extrem rechte Maskulinist und Antifeminist, gründete 2016 die „Proud Boys“. Diese faschistiode Schlägertruppe ist seit dem auf allen bedeutenden Veranstaltungen der so bezeichneten Alt-Right Bewegung anzutreffen und stellt ein Sammelbecken für gebildete, vorwiegend weiße Männer der mittleren Oberschicht dar. Die „Proud Boys“ beziehen sich ähnlich der „Identitären Bewegung” in Europa nicht offen positiv auf rassistische Ressentiments und die Bewegung der „White Supremacy“, stattdessen verpacken sie ihre Hetze gerne in Bezügen zu „westlichen Werten“ und dem „Abendländischen Kulturkreis“, sowie einem Einstehen gegen die vermeintlich vorherrschende „political correctness“. Auch die Selbstbezeichnung als „Neue Rechte“ haben sie mit ihrem europäischen Vorbild gemeinsam.
Sie pflegen jedoch, auch befördert durch ihren Gründer McInnes, ein konsequent gewaltverherrlichendes politisches Programm in Wort und Tat. So ruft McInnes immer wieder ganz offen zu mehr, auch tödlicher, Gewalt gegen Andersdenkende und Linke und als generelles Mittel der politischen Auseinandersetzung auf (Siehe Video unten). Die offen zur Schau getragene Lust der „Proud Boys“ und ihres Führers an brutaler Gewalt und der offen kommunizierte Plan, politische Auseinandersetzungen vor allem im gewaltsamen Straßenkampf und mittels Vergeltungsschlägen und auch Morden zu führen, die Dehumanisierung der klar identifizierten Feindbilder und ihre ultranationalistische Grundhaltung sowie ihr ausgeprägter Antifeminismus und Hass auf Frauen und LGBTQ, sind klare Indizien dafür, dass es sich bei ihnen um eine weitere im Kern faschistische Gruppierung handelt. Konsequenterweise führt das Southern Poverty Law Center sie als „Hategroup“.
Dass sie dabei in ihrem Selbstverständnis eine relative Minderheit der urbanen,“erfolgreichen“, jungen und hippen Männer anzieht, welche sich vom „linken Mainstream“ bedroht sehen und ihre Anhängerschaft vor allem in urbanen Zentren rekrutiert, ist so gesehen ein Novum und unterscheidet sie in vielerlei Hinsicht von Trumps Kernwählerschaft.
Gerade hier scheint es jedoch beachtliche Potenziale zu geben, wie sich letzte Woche bei einem Auftritt McInnes in Manhattan (wo er an einem Reenactetment eines politischen Mordes von einem japanischen Nationalisten an einem sozialistischen Politiker in den Räumen der Republikanischen Partei beteilligte) zeigte. Nach dem Ende der Veranstaltung schlugen etwa 20 „Proud Boys“ drei Antifaschisten brutal zusammen und traten teils in Anwesenheit der Polizei minutenlang auf die am Boden Liegenden ein. Dabei hatten sich den „Proud Boys“ auch bekannte neonazistische Skinheads angeschlossen. Auch in Portland kam es zu Jagdszenen bei denen die Gruppe mit Waffen gegen ihre Gegner vorging.
Dass es von Aufrufen zu Mord und Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung und der vermehrten hemmungslosen Gewalt gegen vermeintliche Feinde auf der Straße in der faschistischen Ideologie nicht mehr weit zu gezielten politischen Morden ist, wissen wir nicht erst seit McInnes und seinen stolzen Jungs. Es gilt um so mehr, den rechten Umtrieben auch vor der eigenen Haustür entschlossen entgegen zu treten und ihnen jeden Raum streitig zu machen.

When they kick at our front door… Öffentliche Verabredung gegen Repression

Nicht erst seit den Protesten gegen den G20 Gipfel setzt der Repressionsapparat Hausdurchsuchungen in unseren Wohnungen und Zentren als politisches Mittel gegen linke Strukturen und Aktivist*innen ein. Dennoch vermehrt sich die Zahl der Razzien nach Großevents, so auch nach dem G20-Gipfel in Hamburg.

 
Im Angesicht dieser Entwicklungen haben wir uns als Teile der radikalen Linken aus dem Raum Frankfurt/Offenbach auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Wir halten es für wichtig, verbindliche Verabredungen bereits im Voraus zu treffen, um im entsprechenden Fall möglichst schnell und gemeinsam reagieren zu können. So wollen wir uns, sollte es zu einer oder mehreren politisch motivierten Hausdurchsuchung(en) in unseren Städten kommen, noch am selben Abend um 19 Uhr im Klapperfeld treffen. Um das Entstehen von Gerüchten und Spekulationen zu verhindern, geht es uns hier vor allem um den Austausch von Informationen. Auch wollen wir hier über das ob und wie einer politischen Antwort beraten werden. Diese Treffen sind offen für alle Genoss_innen und leben von der zahlreichen Beteiligung!

 
Zusätzlich wollen wir versuchen schon während der Razzia, sollte uns die Adresse bekannt sein, vor Ort zu sein und unsere Unterstützung zu zeigen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es möglich ist, Druck auszuüben, die repressiven Maßnahmen zu verkürzen und die Arbeit der Behörden zu erschweren. Wenn ihr von Hausdurchsuchungen betroffen seid, sagt Unterstützer_innen Bescheid, die eine Uhrzeit und einen Anlaufpunkt raushauen können. Bitte handelt bei Veröffentlichungen verantwortungsvoll: keine Namen, keine Strukturen, keine Hausnummern.

 

Wir laden daher alle Gruppen und Einzelpersonen, die sich in gleicher Weise betroffen fühlen, ein, sich dieser Verabredung anzuschließen und abends um 19 Uhr ins Klapperfeld zu kommen.

 
Gemeinsam gegen Repression – Solidarität ist eine Waffe!

BASH CAMP 2018

Liebe Genossinnen und Genossen,

schonmal zum Vormerken: Auch in diesem Jahr organisiert das Bündnis antifaschistischer Strukturen Hessen (B.A.S.H.) wieder ein Sommercamp!
Vom 9.-13. August wollen wir uns in Mittelhessen gemeinsam bilden, diskutieren, streiten und eine schöne Zeit haben. Unser inhaltlicher Schwerpunkt wird dieses Mal auf reaktionären Bewegungen unterschiedlicher Couleur liegen, die das Bestehende nicht zum Besseren verändern, sondern dieses im Gegenteil hinter jetzige Verhältnisse zurückführen wollen.
Zudem wollen wir uns auch mit antifaschistischer Organisierung, Gruppenprozessen, und vielen weiteren spannenden Themen auseinandersetzen. Dabei werden auch Veranstaltungen wie Kapitalismuskritik, Feminismus sowie Sport und Kino nicht zu kurz kommen.
Wie jedes Jahr sind auch Kinder auf dem Camp willkommen, für eine Tagesbetreuung kann bei Bedarf gesorgt werden.

Weitere Infos zu Programm und Anmeldung werden wir in den kommenden Monaten auf unserer Homepage unter antifabash.noblogs.org aktualisieren. Stay tuned!

Wir sehen uns im August!
B.A.S.H.

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